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Montag, 5. Mai 2008Geschichten von Nils – Sehnsucht
Es ist Montag und ich sitze am Schreibtisch in meinem Büro des Kulturministeriums. Ich habe mal wieder eine Nachtschicht eingelegt, um die verspätete Auslieferung an Litorient nicht noch größer werden zu lassen.
Müde von den Telefonaten und Planungen, sowie Meetings schweife ich in Gedanken ab und spiele mit dem Ring, den mir meine Freundin geschenkt hat. Ich erinnere mich an das letzte Wochenende mit ihr und habe schlagartig keine Lust mehr allein im Büro zu verweilen. Nachdem ich mir ein Bier aus dem Kühlschrank geholt habe und durch das Fenster den Sternenhimmel beobachte, würde ich sie am liebsten anrufen. Doch sie schläft bereits und ich möchte sie nicht wecken, wo ich doch weiß, wie schön sie im Schlaf aussieht. Das Bier geleert mache ich mich wieder an die Arbeit und bereite einige Unterlagen für ein morgiges Gespräch mit einem Firmenboss vor. Harter Tobak, wenn man mal bedenkt, wie spät es bereits ist. Ich beschließe die Übergabe voranzutreiben und so Zeit rauszuschlagen, um früher ins Wochenende gehen zu können. Es ist zwar erst Montag, aber meine Freundin fehlt mir schon. Donnerstag, 17. April 2008Geschichten von Nils - Am See
An diesem warmen Frühlingstag liegt der See still vor meiner Terrasse. Die Sonne verschwindet gerade hinter den Bergen und spiegelt sich im See.
Doch es ist immer noch Frühling und meine nackten Füße schreien nach Wärme, als ich barfuss mit zwei Tassen warmen Kakao durch die Terrassentür balanciere und anschließend übers kalte Holz husche. Ich stelle die beiden Tassen auf einem Tisch ab und verkrieche mich wieder unter der Decke auf meinem Terrassensofa. „Das ist aber lieb von dir!“, bekomme ich von der Person zu hören, die die Decke in meiner Abwesenheit warm gehalten hat, gefolgt von einem Kuss auf die Wange. Ich reiche ihr eine Tasse und bin hin und weg wie elegant sie trotz Handtuch um den Kopf in der Abendsonne aussieht. Auch meine Haare sind immer noch feucht nach dem kleinen Ausflug in den See kurz zuvor. Die letzten Tage haben wir beide zusammen verbracht und ich bereue es nicht mal die Arbeit ruhen gelassen zu haben. Es waren sehr schöne Tage und jetzt sitzt diese Schönheit mit mir auf der Terrasse und kuschelt sich an mich, den Sonnenuntergang genießend. Es tut gut der Einsamkeit zu entfliehen und vergessen sind die Sorgen nach dem Tod von Anna und Katin-Ka. Ihre Nähe gibt mir zur Zeit die Kraft, die ich brauche. Nachdem ich mich Ende Februar in Arbeit gestürzt hatte, um mich abzulenken sank mein Elan genauso schnell, wie er gekommen war. Von dort an gab es Tage an denen ich in Kawaton einfach den Strand entlang ging oder in Elaran durch die Wälder striff ohne irgendein Ziel. Dann trat diese wundervolle junge Frau in mein Leben, die ich eigentlich schon lange kenne. Zumindest glaubte ich sie zu kennen. Wir unternahmen viel zusammen und hatten Spaß. Ihre lebensfrohe teils naive Art heiterte mich schnell wieder auf und gab ihr einen Platz in meinem Herzen. Warum ich sie vorher nicht in diesem Licht sah, ist mir heute unbegreiflich und hätte mir vielleicht den ein oder anderen Schmerz erspart. Doch bin ich froh darüber, dass mir in solch wundervoller Weise die Augen geöffnet wurden. Mittlerweile ist der Himmel in ein abendliches Rot getaucht und die vom Tag erschöpfte Seele neben mir ist eingeschlafen. Ich küsse ihr auf die Stirn und mache sie wach. Da es mittlerweile empfindlich kühl wird verziehen wir uns ins Wohnzimmer und machen es uns vorm prasselnden Kamin gemütlich ehe wir beide einschlafen. Samstag, 16. Februar 2008Geschichten von Nils - Februar
Die Füße baumeln am Ende des hauseigenen Stegs kurz über dem Wasser. Die Sonne ist längst hinter den Bergen verschwunden und taucht den wolkenlosen Himmel in ein klares Rot. Es ist kalt und mein warmer Atem malt Bilder.
Ich stecke immer noch in meinem Laufzeug: Kapuzenpullover, Trainingshose und Wollmütze. Eigentlich wollte ich durch einen Waldlauf auf andere Gedanken kommen, doch nach 2 Stunden laufen fühle ich diese Leere noch immer. Als ich vor ein paar Wochen die Nachricht bekam, dass meine geliebte Anna samt Privatjet verschollen ist, dachte ich, dass das Jahr nicht mehr schlimmer werden kann. Nach meiner Odyssee über den Jahreswechsel wollte ich sie noch einmal sehen, nur leider sollten die Erinnerungen an den Abschied auf dem Flughafen auch die Letzten von ihr sein. Damals glaubte ich, dass ich den Tiefpunkt des Jahres bereits zu dessen Beginn schon hinter mir hätte – ich sollte mich irren. Vor drei Tagen starb meine treue Begleiterin Katin-Ka. Die Affendame, die mich fast auf Schritt und Tritt begleitete, habe sich laut Ärzten nie richtig von den Strapazen auf hoher See erholt. Ein Grund mehr, dass ich mir Vorwürfe mache. Das Leben kann schon scheiße sein. Innerhalb von zwei Monaten habe ich bis auf meine Freunde alle verloren, die ich liebte. Am Tag nach dem Tod Katin-Ka’s wollte ich am liebsten wieder raus aufs Meer. Fliehen vor der harten Realität, fliehen vor dem Schmerz? Ich besann mich eines Besseren. Mit welchem Schiff hätte ich auch fahren sollen. Stattdessen nahm ich ein paar Tage frei und überdachte noch mal alles. Ich dachte nach - über meine Zukunft, über meine Vergangenheit und darüber, wie ich mit ihr umgehen werde. Ich beschloss mich wieder meinen Wurzeln zuzuwenden. Wieder dort anfangen, wo ich begann, noch einmal neu starten. Deshalb beginne ich auch wieder mit meiner alten Kolumne, zwar nur einmal im Monat und nicht wöchentlich, aber ich habe das Gefühl, dass es mir gut tun wird. Trotz meiner neuen Vorsätze habe ich dennoch Momente wie heute. Momente in denen ich nur eins fühle: Leere, endlose Leere. Samstag, 23. September 2006Geschichten vom Pier - Der Tag danach
Durch die Lamellen des Rollos scheinen die ersten Strahlen der morgendlichen Sonne und treffen mich im Gesicht. Langsam erwache ich durch das grelle Licht aus meinem Koma.
Der letzte Abend hat seine Spuren in Form eines kleinen Mannes hinterlassen, der jetzt mit seinem großen Vorschlaghammer gegen meinen Schädel schlägt. Von den Kopfschmerzen gepeinigt, mache ich mich auf ins Badezimmer, um mir eine Aspirin einzuverleiben. Kaum aufgestanden rumort mein Magen und schreit nach Vitaminen und Mineralien. Im Halbschlaf stolpere ich über einen Stuhl, kann mich aber noch gerade fangen. Zu meinem Glück ist heute Wochenende und das Wetter hat heute auch miese Laune – der perfekte Tag, um in seinem Bett zu bleiben und einen hervorragenden Kater auszukurieren. Im Bad angekommen suche ich mir eine Aspirin und leere den Becher mit der aufgelösten Brausetablette auf dem Weg in die Küche. Wenn ich nicht so heftige Kopfschmerzen hätte, würde mich jetzt der Schlag treffen, aber an diesem Morgen ist mir das Chaos, das sich vor mir im Wohnzimmer ausbreitet relativ egal. Herumliegende Flaschen, Zigarettenstummel, leere Teller, usw. – alles Zeugen des gestrigen Abends. Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Ein Nachbar kam vorbei, um nach Salz zu fragen, blieb dann auf eine Flasche Bier. Wir verabredeten uns schließlich mit ein paar Freunden auf eine abendliche Kneipentour. Das Ende vom Lied war, dass wir bei mir landeten und bis zur Besinnungslosigkeit Babsinth verzehrten. Wann und wie ich schließlich ins Bett gekommen bin weiß ich gar nicht mehr. Auch wie meine Freunde nach Hause gekommen sind ist mir schleierhaft. Solche Abende sind schon etwas Tolles. Man pflegt Freundschaften und hat jede Menge Spass. Wenn da doch bloß nicht der Tag danach wäre. Dieser, so ist mir aufgefallen, fällt bei Bananen nämlich umso heftiger aus. Wir vertragen zwar viel mehr und sind nicht umsonst für unsere Trinkfestigkeit bekannt, allerdings führt bei uns das Betrunkensein auch zwangsweise zu einem Kater. Vielleicht sollte man mal untersuchen, ob das an dem Babsinth liegt. Ich krieche mit einer Flasche O-Saft bewaffnet zurück in mein Bett und werde auch sofort von Katin-Ka geärgert, die sich für die gestrige Lautstärke wohl revangieren möchte. Ich schalte den Fernseher ein und lasse den Tag und meine Kopfschmerzen an mir vorbeiziehen. Freitag, 15. September 2006Geschichten vom Pier - Am Strand
Die Sonne brennt vom Himmel. Der weiße Sandstand verwandelte sich in den Morgenstunden in eine Art Toaster und erscheint durch die Reflexionen des Wassers und das gute Wetter heller denn je. Eigentlich ein ganz normaler Sommertag.
Ich liege am Strand auf einem Handtuch und genieße die wärmenden Strahlen. Eigentlich gibt es hier öfter so ein Wetter, nur nehme ich es heute umso stärker wahr – ich habe mir eine Woche Urlaub genommen. Früh am Morgen bin ich zu einem abgelegenem Strand gefahren und habe bereits einige Bahnen geschwommen. Dabei musste ich feststellen, dass das Wasser doch um einiges kälter geworden ist. Jetzt, da ich ohne Neopren schwimme, ist das Wasser doch recht frisch. Mit ein bisschen Obst liege ich nun am Strand und genieße die Einsamkeit. Katin-Ka habe ich bei meinem Nachbarn gelassen, dessen Kinder sich jedes Mal freuen, wenn der Affe bei ihnen und mit ihnen spielen kann. So kann ich auch mal abschalten und voll und ganz dem nachgehen, wozu ich Lust habe, ohne Rücksicht auf meine geliebte Katin-Ka nehmen zu müssen. Mal einfach in den Tag hineinleben, ohne irgendwelche Termine vor sich zu haben. Zwar ist der bananische Alltag schon ruhig und spaßig genug, jedoch braucht jeder Mensch mal einen Moment für sich. Einen Moment, an dem er Kraft und Ausdauer tanken kann, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. Diesen Moment habe ich heute und ich genieße ihn. Gegen Mittag sagt mir mein Körper: „Genug in der Sonne gebadet!“ und veranlasst mich, mich wieder auf den Rückweg zu machen. Ich schaue noch kurz in meiner Lieblingsbar (Zur kleinen Jolle) vorbei, wo um diese Uhrzeit noch nicht wirklich was los ist. Nach dem kurzen Mittagspausenansturm bleibt somit auch noch ein Plausch mit dem Besitzer. Insgesamt ein absolut erholsamer Tag. Freitag, 8. September 2006Geschichten vom Pier – Abendstund hat Gold im Mund
Die Morgensonne scheint durch die Lamellen des Rollos ins Büro und springt mir gleißend ins Gesicht. Mein Rücken schmerzt und das pappige Gefühl im Mund schreit nach Pflege. Langsam richte ich mich auf dem Sofa auf und schleppe mich zum Kühlschrank. Mit einem Apfel im Mund kehre ich an meinen Schreibtisch zurück, an dem die Arbeit immer noch so daliegt, wie ich sie gestern Abend verlassen habe. So langsam realisiere ich: wieder eine Nacht im Büro verbracht.
Katin-Ka liegt noch zusammengekauert in ihrem Korb, der mit 3 Seilen und einem Harken unter der Decke aufgehangen ist. Ich gucke auf die Uhr: 6:30! Somit ist meine Sekretärin noch nicht da, die Heute etwas später kommt. Träge schleppe ich mich in den Flur, um mir meinen morgendlichen Kaffee selbst zu kochen. Motiviert mit einer Tasse Kaffee kehre ich schließlich an meinen Arbeitsplatz zurück. Katin-Ka, die Schlafmütze, macht es richtig und schläft ersteinmal aus. Bin ich der Einzigste, der um diese Uhrzeit hier im Gebäude rumgeistert? Anscheinend ja! Als ich zu einem Aktenordner greifen will, stoße ich den Kaffee um und verteile ihn über den gerade bearbeiteten Unterlagen. Die ganze Arbeit für die Katz. Entmutigt von diesem Malleur beschließe ich eine Auszeit zu nehmen. Es hat heute keinen Sinn mehr einer Arbeit nachzugehen, die sonst Spass macht, aber im Augenblick eher lästig ist. Ich schnappe mir Katin-Ka, die mittlerweile aus ihren süßen Träumen erwacht ist, melde mich bei meiner Sekretärin mit einer Notiz für den Rest des Tages ab und verlasse das Ministerium. Als ich gegen Mittag in der Tauchschule eintreffe, um mir mit ein paar Tauchgängen den Tag zu versüßen, werde ich mit großen Augen angeguckt. „Wir hatten dich erst am Wochenende erwartet“, bekomme ich von Geena zu hören, die die Basis in meiner Abwesenheit führt. Aber auf den kleinen Schrecken folgt eine herzliche Umarmung. Später bringt sie mich kurz auf Stand und zeigt mir das Terminbuch, das für den heutigen Tag keine Ausfahrten in Planung hat. Kurzerhand beschließen wir ein anspruchsvolles Riff anzulaufen, was Geena offensichtlich gefällt. Die kleinen Riffs werden auf Dauer wohl doch ein wenig langweilig, was in mir auf der Fahrt zum Riff einige Bedenken in Bezug auf unsere Ausfahrten aufwirft. Als wir schließlich im Wasser sind kann ich endlich abschalten. Ob Geena darauf spekuliert hat? Mir ist es egal, ich genieße den Tauchgang und tauche nach einer knappen Stunde mit meiner Tauchpartnerin wieder neben dem Boot auf. Geena, die mich schon viel zu gut kennt fragt mich anschließend, ob ich mich denn jetzt besser fühlen würde, was ich mit einem spontanen Kopfnicken bejahe. Wir genießen noch ein wenig die schöne Aussicht auf den Hafen Chabbas, der in einiger Entfernung vor uns liegt, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Ich bin erleichtert und erholt zugleich. Ein guter Tauchgang schafft es immer wieder mich zu entspannen und mir neue Kraft zu geben. Auch heute war dies wieder der Fall. Als ich spät Abends in der Tauchschule noch ein paar Konzepte mit Geena durchgehe, kommt mir dies nicht wie Arbeit vor. Auch habe ich das Gefühl, dass Geena mit viel Spass und Engagement bei der Sache ist. Verflogen ist die Anspannung des Morgens. Nur durch einen einzigen Tauchgang? An diesem Abend kann ich diese Frage mit einem deutlichen JA beantworten. Müde sinke ich nach Mitternacht ins Bett. Katin-Ka, die sich bereits vor ein paar Stunden zur Ruhe gelegt hat schläft bereits tief und fest in ihrem Korb. Ich denke an den entspannenden Tauchgang und schlafe schließlich ein. Mittwoch, 6. September 2006Geschichten vom Pier – In neuem Glanz
Lange ist es her, seit ich die letzte Geschichte vom Pier geschrieben habe. Mein neues Amt als Kulturminister verbunden mit den ganzen neuen Aufgaben hatte mit meiner Kolumne in der Satzinsel leider sein erstes Opfer gefunden.
Abgezeichnet hatte sich dies schon etwas länger und was folgte waren leere Versprechungen und ein plötzlicher „Reportagenstop“. Dafür möchte ich mich bei all meinen treuen Lesern entschuldigen und versuche hiermit meine Kolumne wieder ins Rollen zu bringen. Von nun an wird meine Kolumne nicht mehr Dienstags erscheinen, sondern Freitags, der Stil bleibt jedoch derselbe. Euer Nils Albers Dienstag, 1. August 2006Geschichten vom Pier – Nachbarschaft
Auf dem dunklen Grillrost brutzeln ein paar saftige Steaks in der Hitze des Feuers. Am Horizont geht gerade die Sonne unter und lässt die Petroleumfackeln und das Grillfeuer die Beleuchtung übernehmen. In ein sanftes Licht gehüllt vernimmt man nun den Duft von Fleisch, Bier und Kräutern.
Wir haben uns zum Grillen am Strand verabredet und sind gerade damit beschäftigt unser Essen zuzubereiten, um es anschließend auf den großen Picknickdecken zu verköstigen. Ein großes Nachbarschaftsgrillen, an dem sich der ganze Straßenzug beteiligt. Jeder hat etwas mitgebracht und bei all den Köstlichkeiten würde sogar der König in Frankreich kotzen vor Neid. Salate, Meeresfrüchte, Obst, Cocktails, selbstgemachtes Brot und natürlich Steaks und Bier sind nur einige der vielen Mitbringsel. Einmal im Monat findet ein solches Grillfest hier am Strand statt und es ist jeder aus der Straße hier, ohne Ausnahme. Kinder spielen zusammen und laufen herum und Eltern können in aller Ruhe einen Plausch halten. Zu fortgeschrittener Stunde, nach dem Essen werden dann die Instrumente herausgeholt und erheben den Strand zu einer Stette bananischer Kultur. Alte Volkslieder sind hier keine Seltenheit und teilweise auch ewige Klassiker, bei denen viele lauthals mitsingen. Nirgendwo ist einem die Kultur so nahe, wie auf diesen Festen. Auch der Zusammenhalt der Nachbarn ist Bananisch in Perfektion. Hier werden neue Freundschaften geschlossen und alte vertieft. Auch bekommt man die neusten Infos aus der Straße, wobei der Übergang von Realität und Fiktion oft verschwimmt. Aber wen stört das schon im Angesicht eines Festes, auf das sich jeder 4 Wochen lang freut und ebenso lange Gesprächsthema ist. Hier herrscht eine unglaubliche Harmonie. Kinder sitzen bei ihren Nachbarn am Feuer und hören deren Geschichten zu, bis sie ins Bett gebracht werden und den Strand für die Erwachsenen feigeben. Ob man die kommenden Stunden nun Fest, oder Besäufnis nennt, ist hier jedem egal. Gemacht wird, was Spaß macht und das manchmal auch in jedem Sinne der zwischenmenschlichen Beziehung. Als ich am nächsten Morgen am Strand erwache, dröhnt mein Schädel. Keine Kinder, keine Musik mehr, nur die Wellen und ein Strand, der dem der Normandie 1944 ähnelt. Erwachsene, die im Sand ihren Rausch ausschlafen, zurückgelassene Ehemänner, die sich später mit dem Aufräumen vor dem Gang nach Hause drücken. Zu Hause die Frauen, die darauf warten, dass ihre Männer wieder nach Hause kommen, um ihnen eine Predigt zu halten, warum sie wie jeden Monat wieder so betrunken waren. Ich freue mich schon auf das nächste Fest. Dienstag, 25. Juli 2006Geschichten vom Pier – Zurück
Meine Bürotür schwingt auf und erleichtert fällt der schwere und schmutzige Rucksack von den geplagten Schultern. Ein Kreischen und schon springt eine kleine Affendame durch den Raum. Ich bin zurück. Herzlich empfangen von meiner Katin-ka.
Auf der Couch sitzt meine Sekretärin, die in meiner Gegenwart für den Affen zur Nebensache geworden ist. Auf meiner Schulter auf und ab hüpfend zeigt sie nun, der gehört zu mir. Ich erkundige mich bei Erna (meiner Sekretärin) wie es denn mit Katin-ka gelaufen sei und was sonst noch während meiner Abwesenheit passiert ist. Sie heißt mich willkommen, gibt mir ein kurzes Briefing und ich bin erleichtert, dass in dieser Woche von großem Stress abgesehen wurde, was es mir leichter macht, das Verpasste aufzuholen. Ich nehme mir den Rest des Tages frei, packe meine Sachen in mein Boot und fahre nach Hause. Vorher schaue ich allerdings noch bei der Tauchbasis nach dem Rechten. Auch wenn man weit weg von zu Hause seine Erfahrungen macht und Spass hat, ist es zu Hause doch am schönsten. Das muss ich in letzter Zeit immer wieder erkennen. Gerade in den letzten Monaten hat mein Amt viele Reisen von mir verlangt. Doch jedes Mal, wenn ich nach längerer Abwesenheit wieder nach Hause komme fühle ich mich geborgen, verstanden. Ich treffe Freunde, habe Bekanntes, was mich hält. Hier weiß ich, woran ich bin und lebe nicht ständig in der Ungewissheit mich mit Neuem vertraut machen zu müssen. Ein Heimathafen für die Seele. Ich genieße es geradezu, wenn ich nach einer Woche oder mehreren wieder nach Hause komme und von Nachbarn gefragt werde, wie es war. Meist ziehen wir los und machen die uns bekannten Bars unsicher. Das ist es, was mich immer wieder zurückkehren lässt. Müde schlafe ich auf der Terrasse ein, erschöpft von der Reise und der Umstellung. Sonntag, 16. Juli 2006Info Geschichten vom Pier
Geehrte LeserInnen,
wie sie sicherlich schon bemerkt haben gab es in der letzten Woche keine neue Geschichte. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass kommenden Dienstag diese Rubrik ebenfalls leer bleiben wird. Bedingt durch eine dienstliche Reise komme ich zur Zeit nicht zum Schreiben. Als Entschädigung erhalten Sie allerdings einen ausführlichen Reisebericht, der gegen Ende der nächsten Woche in der Satzinsel abgedruckt wird. Mit freundlichen Grüßen Ihr Nils Albers
(Seite 1 von 3, insgesamt 21 Einträge)
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